Polémé

Polémé ist ein kleines Projekt, an dem ich ab dem 10.06.2003 gearbeitet habe. Die Sprache ist bewusst fragmentarisch gehalten. Es ist die Sprache eines Naturvolkes, deren geringe Kenntnisse durch die Aufzeichnungen eines Forschers überliefert sind. Hier folgt ein Text aus den Aufzeichnungen zu dieser Sprache:

„Die vorliegende Liste aus 653 Vokabeln ist das Ergebnis von eineinhalb Jahren Forschung. Während dieser Zeit lebte der Gelehrte Eiéian bei den Raicúten, einem alten Polémé-Stamm, der auf der Insel Mantarún im Delta des Mondflusses lebte. Doch diese Liste weist immense Lücken auf. Obwohl ein umfassendes System der Konjugation dargelegt werden konnte, ist die Verbliste sehr kurz. Deshalb unternahm Eiéian drei Jahre nach seiner ersten Reise eine weitere Reise nach Mantarún, um eine umfassende Liste von Verben aufzustellen. Die nun folgende Verbliste umfasst 246 Verben, außerdem hat er weitere Substantive und Adjektive, ebenso wie weitere Partikeln gesammelt. Die zweite Reise Eiéians dauerte 9 Monate und die Forschung baute auf die bisher gesammelten Ergebnisse auf. In einer dritten Reise sammelte er weitere Vokabeln bis zu seinem Tod auf Mantarún. Seine Forschungsergebnisse konnten aber glücklicherweise gerettet werden.

(Ríne Másanaupe, 1239 n.KP)“

Einige Seiten später folgt ein Nachwort:

"Die vorliegende Grammatik und Wörterbuch beschreibt die Sprache Polémé. Diese Form wurde auf der Insel Mantarún gesprochen. Im Jahre 160 n.KP (nach Kaiser Plóul) (53 Jahre nach Eiéians Tod) wurde die Insel und das umliegende Delta des Mondflusses von makúnischen Kosaren, den Sýrsípan, erobert. Dabei wurden alle Raicúten getötet. Seit den Studien Eiéians nahm man an, die Sprache der Raicúten sei eine im Stammesgut konservierte Form des Polémé, der Ursprache der Mámé. Deshalb gab man dieser Sprache auch den Namen Polémé. Allerdings wurde herausgefunden, dass die Sprache der Raicúten in keinster Weise mit Mámé, und ebensowenig mit Altcleaulem, verwandt ist. Man nimmt an, dass das Raicútische ein frühmerlindischer Dialekt ist, der durch den Kontakt mit den Mámé seine ursprüngliche Lautstruktur geändert hat. Diese Vermutung belegen Vergleiche des Raicútischen mit altmerlindischen Inschriften.

Altaí Síamécei (1251 n.KP)

(Beim Brand in Palm im Jahre 1316 n.KP brannte auch die kaiserliche Bibliothek nieder. Dabei brannte auch ein Teil der Aufzeichnungen Eiéians nieder. Nur die vorliegenden Aufzeichnungen konnten gerettet werden.)"

In diesem Text erkennt man viele Konzepte, die damals schon vorhanden waren und die sich teilweise bis heute erhalten konnten. Deshalb ist diese Sprache, so klein ihr Corpus auch sein mag, ein interessanter Schritt in der Entwicklung meiner Kunstsprachen.

Interessant ist der Aufbau der Sprache. Die Morphologie ist recht komplex. Die Nomina werden mit zehn Kasus  dekliniert. Es gibt sechs genau definierte Substantivklassen (ähnlich denen in den afrikanischen Bantu-Sprachen) und drei Numeri. Es gibt drei regelmäßige Verbklassen und eine ganze Reihe von unregelmäßigen Verben.

Das Wörterbuch ist sehr rudimentär. Ursprünglich war eine Erweiterung geplant, doch kam die Arbeit daran nicht über einige wenige Verben hinaus. Man kann in dieser Sprache nur einfachste Texte verfassen. Trotzdem finde ich heute, dass Polémé eine sehr interessante Kunstsprache ist, da sie einige faszinierende Merkmale besitzt.

Beim Vokabular habe ich mich am Cleaulem orientiert. Ich habe für viele Wörter die Entsprechung in Cleaulem herausgesucht und sie so abgeändert, dass sie in Polémé passte. Doch waren diese Änderungen willkürlich, so dass man sie nicht als wissenschaftlich betrachten kann. Dies ist eine große Schwäche des Polémé und einer der Gründe, warum ich schließlich die Entwicklung dieser Sprache eingestellt habe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass ich im Nachwort (s.o.) meine Unsicherheit zum Ausdruck brachte, mit welcher anderen Sprache Polémé verwandt sei. Ursprünglich war Polémé mit Cleaulem (und damit mit Mámé) verwandt, worauf auch die Parallelen im Wortschatz hinweisen sollten. Doch spekulierte ich später über eine Verwandtschaft mit dem Merlindischen (zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht mit der Entwicklung des Merlindischen begonnen).