Kleaulem

Kleaulem entstand im Sommer 2002 und war die erste Kunstsprache aus meiner Feder, die ein differenziertes Vokabular und eine komplexe Grammatik besaß. Das Vokabular wurde nicht mehr aus einigen wenigen Grundwörtern zusammengesetzt, sondern besaß eigene Wörter für alle wichtigen Begriffe.

Diese Sprache war der nächste logische Schritt in der Evolution meiner Kunstsprachen, nachdem ich mit Loimepa in eine kreative Sackgasse geraten war. Der Name und das Grundkonzept der Sprache entstammen dem Loimepa. Den Begriff Kleaulem erschuf ich als Bezeichnung für eine Art Slang des Loimepa, der aus einem absolut begrenzten Repertoire an Wurzelwörtern zusammengesetzt wurde. Ich dachte mir diesen Namen aus, weil ich seinen Klang mochte. Interessant ist dabei, dass dieser Name einen Triphthong enthält, worüber ich mir damals nicht im Klaren war.

Die Lautstruktur ist dem Loimepa entlehnt. Ich übernahm die zehn Phoneme des Loimepa (a, e, i, o, u, k, l, m, n, p) ins Kleaulem und fügte diesen noch einige Laute hinzu (s, v und die Vokale ö und ü). Ich tat dies, da das Loimepa in meinen Augen für eine komplexe Sprache zu wenige Phoneme besaß. Auch jetzt ist der Lautbestand des Kleaulem noch sehr übersichtlich mit lediglich 14 Phonemen, wobei die Vokale im Gegensatz zum Loimepa sowohl lang als auch kurz auftreten können.

Die Grammatik des Kleaulem ist fast vollständig dem Quechua, der Sprache der Inkas in Peru, entlehnt. Ich war damals von der Struktur dieser Sprache fasziniert. Sie ist agglutinierend, das heißt alle Morpheme werden als einzelne Suffixe unverändert an die Wortwurzel gehängt. Außerdem ist die hinter der Morphologie stehende Logik eine vollkommen andere als in den indoeuropäischen Sprachen. Das Quechua war eine der ersten Sprachen, die ich kennenlernte, die sich derart von allem unterschied, was ich bis dahin kannte. Die Wirkung auf mich ist hier nicht zu unterschätzen.

Ursprünglich war das Kleaulem aber nicht mehr als ein Quechua-Klon. Die Grammatik war im Prinzip identisch. Das Problem war dabei nur, dass ich die Logik des Quechua nicht richtig begriffen hatte, so dass ich viele Suffixe so gebrauchte, als wäre das Kleaulem eine indoeuropäische Sprache, auch wenn dies der Logik ihres Vorbildes im Quechua widersprach. Auch erweiterte ich das Repertoire an Suffixen nach meinen Bedürfnissen. Das galt für grammatische Suffixe, aber auch für die Wortbildung. Schließlich gebrauchte ich einige Suffixe, die aus dem Quechua entlehnt hatte, nie, da ich deren Logik nicht begriffen hatte. Ich werde sie hier trotzdem der Vollständigkeit halber aufführen.

Der Wortschatz des Kleaulem ist a priori, also vollständig von mir erfunden. Lediglich einzelne Wörter wie lîn (Mond) sind aus dem Loimepa entlehnt, da sie mir gut gefielen. Im Nachhinein sieht man aber, wie willkürlich ich einzelne Vokabeln erfunden habe. Viele Wörter sind schwer aussprechbar, da sie unglaublich sperrig sind. Auch bestehen viele Wörter aus unnötig vielen Silben mit umständlich zu artikulierenden Lautkombinationen. Kleaulem ist insgesamt eine sehr umständliche und sperrige Sprache, das gilt auch für die grammatischen Affixe. Meinem heutigen Verständnis für sprachliche Ästhetik entspricht diese Sprache schon lange nicht mehr.

Es musste also eine neue Lösung her. So kam ich auf die Idee, eine neue Version dieser Sprache zu entwickeln, die ich auch Cleaulem nannte, aber diesmal mit C. Heute sehe ich Kleaulem als ein Experiment, einen Versuch, eine komplexere Sprache als Loimepa zu schaffen. Auch wenn der Entwurf an sich nach meinen heutigen Maßstäben nicht sonderlich gelungen ist, hat er doch dem Cleaulem den Weg geebnet und ist eine wichtige Etappe in der Entwicklung meiner Kunstsprachen.

Während meiner Beschäftigung mit Kleaulem entwickelte ich auch die drei Alphabete Elve, Caspei und Melín. In dieser Zeit schuf ich die Grundlagen, die ich dann später mit der Adaption ins Cleaulem weiter ausbaute. Mehr dazu kann man auf den Seiten der einzelnen Schriften lesen.