Espanzo

Espanzo war meine erste Sprache, die ich aposteriori, also nach einem existierenden Vorbild entwickelte. Es ist eine romanische Sprache, die als Bindeglied zwischen Französisch und Spanisch gedacht war. Die Idee dahinter war, dass diese beiden Sprachen sich gemeinsam weiterentwickelt haben und zu einer einzigen Sprache verschmolzen sein könnten. Der Name ist dem Esperanto entlehnt und leitet sich vom Wort espanza (Hoffnung) ab.

Bei der Entwicklung der Sprache orientierte ich mich an dem Buch „Die Sprachen der Welt. Geschichte – Grammatik – Wortschatz in vergleichender Darstellung“. In diesem Buch wurden grammatische Merkmale einzelner romanischer Sprachen miteinander verglichen. Aus diesen Angaben leitete ich dann die Morphologie und die einzelnen Strukturwörter her.

Das Vokabular des Espanzo stellte ich mithilfe des „Wortmuseums“ in jenem Buch zusammen. Dies ist eine Wortsammlung, in der eine Auswahl an Vokabeln der wichtigsten romanischen Sprachen miteinander verglichen wird. Da das Buch Ende der fünfziger Jahre herauskam, wirken einige der Vokabeln veraltet oder unpassend. Trotzdem ist die Vokabelliste des Espanzo umfangreich genug, um einfache bis mittelschwere Texte in dieser Sprache schreiben und lesen zu können.

Ich zeichnete die Sprache in einer roten DIN A6 Kladde auf, in der auch das Flamomänische und das Polémé verzeichnet sind. Der Beginn der Aufzeichnungen war der 26. August 2002. Ich brauchte exakt 100 Tage, um die Grammatik und den Wortschatz von ungefähr 2000 Wörtern in diese Kladde zu übertragen. Danach kamen keine neuen Inhalte mehr hinzu und die Sprache war an sich abgeschlossen. Pläne, ein umfangreicheres Wörterbuch zu erstellen, habe ich aus Mangel an weiterem Interesse aufgegeben.

Nach einiger Zeit wurde mir auch klar, wie unvollkommen dieses Projekt eigentlich war. Der Wortschatz war willkürlich zusammengewürfelt. Ich machte mir keinerlei Gedanken über bestimmte Lautgesetze, so dass bestimmte Lautveränderungen oft willkürlich gewählt wurden. Das lässt sich teilweise sogar an einzelnen Wortstämmen sehen, bei denen das Substantiv und das Adjektiv eigentlich dieselbe Wurzel haben, diese aber vollkommen verschieden realisiert sind.

Trotz dieser gravierenden Mängel ist Espanzo ein wichtiger Schritt in der Entwicklung meiner Kunstsprachen. Es war meine erste Aposteriorisprache. Ich möchte in Zukunft wieder eine romanische Sprache entwickeln, so wie das Espanzo. Ich werde dann aber methodischer vorgehen und auch die Lautentsprechungen in den romanischen Sprachen berücksichtigen. Heute bin ich auch mit den sprachwissenschaftlichen Kenntnissen ausgestattet, die ich damals nicht hatte und die mir helfen werden, den „kleinen Bruder“ des Espanzo glaubwürdig zu gestalten.