Darû

Darûsisch ist in seiner Konzeption eher eine Art Hilfssprache, die aus einer gewissen Notwendigkeit heraus geboren wurde. In erster Linie soll diese Sprache als Herkunftsquelle für Lehnwörter im Merlindischen dienen. Die Merlindier wanderten einst nach Osten und kamen in das Reich der Darû, die über eine hochentwickelte Kultur verfügten. Im Laufe der Zeit assimilierten die Merlindier die Darû und gründeten das Königreich Merlindien. Da die Darû eine höher entwickelte Kultur als die Merlindier hatten, übernahmen diese viele Lehnwörter aus bestimmten Bereichen (u.a. Religion, Landwirtschaft, Flora und Fauna, Staat und Verwaltung, Technologie, Heillehre und Geldwesen). Ich will dem Merlindischen durch die Enflüsse des Darûsischen eine größere Glaubwürdigkeit verleihen, da auch die natürlichen Sprachen einen gewissen Vorrat an Lehnwörtern aus anderen Sprachen aufweisen. So ist das Darûsische ganz bewusst als alte überlieferte Sprache mit einem begrenzten Corpus konzipiert.

In der Grammatik orientiere ich mich für das Darûsische an der sumerischen Grammatik, indem bestimmte Morpheme in der Flexion einen bestimmten Slot am Verb bzw. dem Substantiv einnehmen. Ein Slot kann besetzt sein, muss es aber nicht. Die Reihenfolge der Slots ist festgelegt und kann nicht geändert werden. Dieses System ist mit der Deklination und Konjugation im Klingonischen vergleichbar, die ganz ähnlich funktioniert. Auch am Burushaski, einer isolierten Sprache, die in Pakistan gesprochen wird und über ein solches Slotsystem verfügt, orientiere ich mich, indem ich sekundäre Kasus in der Deklination einführen will.

Belebtheitskategorien

Im Gegensatz zum Merlindischen und Sumerischen ist das Darûsische eine Akkussativsprache. Diese Aussage ist aber relativ zu sehen, da die thematische Rolle eines Satzgliedes von seiner Belebtheit abhängt und nicht von seiner Aktivität innerhalb des Satzes. Dazu gibt es eine Reihe von hierarchisch gegliederten Belebtheitskategorien:

1. Person > 2. Person > Mensch > belebt > unbelebt konkret (greifbar) > unbelebt abstrakt (nicht greifbar)

Bei der Belebtheitskategorie „unbelebt“ spielt es auch eine Rolle, ob der betreffende Gegenstand anwesend ist, oder ob er an einem anderen Ort ist. Es kann dabei auch wichtig sein, wem ein solcher Gegenstand gehört. Der eigene Tisch hat also eine höhere Belebtheit als der Tisch eines fremden.

In der Konjugation kommt immer folgendes Schema zum tragen:

Höhere_Belebtheit-Verbstamm-Tempusmarkierung-niedrigere_Belebtheit

Dabei wird immer grundsätzlich davon ausgegangen, dass das höher belebte Satzglied das Satzsubjekt ist und das niedriger belebte das Objekt. Sollte es sich umgekehrt verhalten, wird dies am Verbstamm durch ein eigenes Affix markiert, wobei sich an der Reihenfolge der Pronomen nichts verändert.

Es kann auch vorkommen, dass ein niedriger belebtes Satzglied vor dem Verb steht und das höher belebte dahinter. Die kann zum Beispiel vorkommen, wenn eine gesellschaftlich höher gestellte Person angesprochen wird. Dabei wird dieser Person aus Höflichkeit eine höhere Belebtheit zugesprochen als dem Sprecher selbst. Dies kommt auch vor, wenn über einen Würdenträger oder seinem Besitz gesprochen wird. Dabei entscheidet der Grad an Höflichkeit bzw. Unterwürfigkeit, wie stark die eigene Belebtheit herabgesetzt wird. Z.B. zeugt es von einer sehr hohen Unterwürfigkeit, wenn man dem abstrakten Besitz einer anderen Person eine höhere Belebtheit zuspricht als sich selbst.

Sowohl ein Personalaffix als auch das Satzglied als Nominalphrase stehen je nach Belebtheit vor bzw. hinter dem Verb:

Mann er-werfen-es Stein

Schrift und Lautlehre

Ich habe mich lange mit der Frage beschäftigt, mit welcher Schrift ich das Darûsische schreiben möchte. Bis heute habe ich keine absolut befriedigende Antwort für dieses Problem gefunden. So experimentierte ich mit einer Keilschrift, die eigene Zeichen für einzelne Silben verwendet. Dann kam mir der Gedanke einer Schrift, die sich auf Papyrus schreiben lässt ähnlich der hieratischen oder der demotischen Schrift. Ich entwarf auch ein Alphabet für das Darûsische auf Grundlage des Zend-Avesta-Alphabetes. Aber auch dieses Alphabet wird wohl nicht das Ende meiner Entwürfe für eine darûsische Schrift darstellen.

Das darûsische Lautsystem unterscheidet sich fundamental von dem merlindischen. Es gibt ein recht breites Spektrum an Vokalen, dafür aber weniger Konsonanten. Lehnwörter im Merlindischen werden also zwangsläufig einen lautlichen Assimilationsprozess durchmachen müssen, was sie aber nur umso interessanter machen wird.