Cleaulem

In der Entwicklung meiner Kunstsprachen stellt Cleaulem einen regelrechten Durchbruch dar. Es ist wohl die erste Kunstsprache aus meiner Feder, die man in jeder Hinsicht als eine richtige Sprache bezeichnen kann (abgesehen von Kleaulem, das aber in diesem Projekt stark verbessert wurde). Man kann es fließend sprechen, seine Grammatik hat ein hohes Entwicklungsniveau und sein Wortschatz ist mit über 3000 Wörtern umfangreich genug, um zumindest mittelschwere Texte zu verfassen. Es gibt für diese Sprache vier Alphabete, mit der sie sich exzellent schreiben lässt.

Cleaulem ist eine konsequente Weiterentwicklung des Kleaulem. Das sieht man nur am Namen, der lediglich die überarbeitete Orthographie widerspiegelt. Nachdem ich mich ein Jahr lang mit Kleaulem beschäftigt hatte, wurden die eklatanten Mängel dieser Sprache immer augenscheinlicher, so dass ich mich schließlich entschloss, die Sprache von Grund auf neu zu konzipieren. Kleaulem war mir zu plump und schwerfällig geworden, unflexibel und schwer aussprechbar.

Die Grammatik wurde nicht sehr stark überarbeitet. Die Grundprinzipien (z.B. der agglutinierende Sprachbau) wurden beibehalten. Dafür konzipierte ich die grammatischen Affixe neu, indem ich sie kürzer und leichter aussprechbar machte. Der Sprachbau von Kleaulem war eine sklavische Nachahmung des Quechua, ohne dass ich jenen wirklich verstanden hätte. Nun passte ich die Grammatik eher den Gewohnheiten der indoeuropäischen Sprachen an, was mir damals praktikabler erschien.

Die Überarbeitung der Orthographie orientierte sich an den Elbensprachen Tolkiens, mit denen ich mich zu dieser Zeit intensiv beschäftigt hatte. So wurde der Laut [k] nun mit /c/ statt mit /k/ geschrieben. Der Zirkumflex (â) zur Anzeige der Vokallänge wurde durch den Akut (á) ersetzt. So wurde das Schriftbild runder und in meinen Augen ästhetischer. Außerdem kamen als neue Laute qu und lh (ein gelispeltes l wie im Kölschen) hinzu.

Das Vokabular von Cleaulem wurde von mir komplett neu erstellt. Ich übernahm lediglich die Wörter, die für mich bereits in der Sprache etabliert waren und die ich auch in zukünftigen Projekten wie dem Mámé benutzen werde. Ich fand, dass die Wörter in Kleaulem oft sehr schwerfällig und umständlich auszusprechen waren. Also achtete ich darauf, dass in der neuen Sprache die Wörter kürzer und in ihrer phonetischen Struktur einfacher wurden. Konsonantencluster vermied ich weitestgehend und den Laut [p] ließ ich aus ästhetischen Gründen am Wortende weg. Eine Herausforderung war es, Homonyme zu vermeiden, die bei einer solch einfachen Wortstruktur mit einem derart überschaubaren Phoneminventar zwangsläufig auftreten mussten.

Die Arbeit an Cleaulem nahm insgesamt sechs Wochen in Anspruch. Ich habe für dieses Projekt buchstäblich meine Sommerferien geopfert. Jeden Tag arbeitete ich mehrere Stunden an der Fertigstellung der Sprache. Als erste Sprache entwarf ich Cleaulem am Computer, zeichnete also Vokabular und Grammatik digital auf. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, das fertige Ergebnis per Hand in eine Kladde einzutragen. Dies nahm die meiste Zeit in Anspruch. Vor allem die handschriftliche Übertragung des Wörterbuches in das Büchlein war eine sehr zeitintensive Beschäftigung.

Auch danach blieb die Entwicklung der Sprache nicht stehen. Ich führte kleine Veränderungen an der Grammatik durch und erweiterte vor allem den Wortschatz. Ich führte aber auch einen Lautsandhi ein, der bei mir tatsächlich bis heute umstritten ist und mit dem ich nie ganz zufrieden war, aber auch nie ganz auf ihn verzichten wollte. Die hier vorgestellte Fassung ist die letzte gültige, bevor ich die Arbeit an der Sprache endgültig eingestellt habe. Darin enthalten ist auch der Inhalt der zweiten Kladde mit Ergänzungen, die ich nach der ersten Kladde anlegte.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich mein sprachlicher Geschmack, aber auch meine Vorstellungen, wie eine künstliche Sprache aussehen soll, weiter. Und so wurde mir allmählich immer mehr bewusst, dass ich mit Cleaulem in eine kreative Sackgasse geraten war. Die Sprache war mir nicht mehr naturalistisch genug. Die Wortbildung war ziemlich willkürlich, ich hatte eigene Wörter für Begriffe erfunden, wo es einfach keinen vernünftigen Sinn ergab. Aus diesem Grund habe ich letztendlich die Entwicklung von Cleaulem eingestellt.  Dafür möchte ich irgendwann als „Nachfolger“ des Cleaulem das Melánische entwickeln, eine Tochtersprache des Mámé.