Wenn man eine frische Windows-Installation vor sich hat, gehört es zu den ersten Dingen, die man tut, einige essentielle Programme zu installieren. In der Regel ist es z. B. ein ordentlicher Browser (meistens Chrome oder Firefox) und ein Antivirenprogramm. Es ist so tief in unser Unterbewusstsein verankert, dass man sich nicht vorstellen kann, Windows ohne Antivirensoftware zu betreiben. Die landläufige Vorstellung ist, dass ein PC ohne Virenschutz den bösen Horden an Malware, Würmern, Viren und Trojanern schutzlos ausgeliefert sei. Selbst Windows selbst legt großen Wert auf ein installiertes Antivirenprogramm und nervt einen mit penetranten Mitteilungen, wenn man noch keins auf dem System laufen hat. Trotzdem benutze ich auf meinen Windows-Systemen schon seit Jahren mehr keinen Virenschutz.

Das klingt erst einmal nach vollkommenem Wahnsinn. Es klingt sogar ziemlich dumm. Ich meine, wie will ich denn wissen, ob mein PC nicht total verseucht ist? Aber ich bin mir meiner Sache sehr sicher, und ich möchte hier erklären, warum ich mich dazu entschlossen habe, bis auf weiteres auf sämtliche Antivirenprogramme auf Windows zu verzichten.

Antivirenprogramme fressen Ressourcen

Mein erster eigener PC zuhause war ein Aldi-PC, den ich 2002 angeschafft habe. Auf diesem lief Windows XP und natürlich lief darauf ein Antivirenprogramm, in diesem Fall AntiVir. Für damalige Verhältnisse war es ein recht flotter PC, doch magere 256 MB Arbeitsspeicher kamen dich recht schnell an ihre Grenzen. Alles, was darüber kam, wurde fix auf die Festplatte ausgelagert, was dazu führte, dass bei jeder Interaktion mit dem Computer sich erst einmal die Festplatte zu Tode rödelte. Das System war schließlich alles andere als performant, und ein wesentlicher Faktor dabei war AntiVir.

Wenn ich den PC startete, brauchte Windows gefühlte Ewigkeiten zum Hochfahren. Es werden wohl ca. 5 Minuten gewesen sein, im heutigen Zeitalter von QuickBoot und SSDs unvorstellbar, aber damals traurige Realität. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie der Desktop schon sichtbar war, das System aber auf Eingaben nicht reagierte, bis das AntiVir-Symbol endlich in der Taskleiste auftauchte. Dann konnte ich endlich loslegen, was aber immer noch bedeutete, gefühlte Ewigkeiten darauf zu warten, dass ein Programm startet, eben wegen der Auslagerungsdatei auf der Festplatte und dem Gerödel ebendieser. Und für dieses Geruckel war das Antivirenprogramm maßgeblich mitverantwortlich, denn als ich es einmal aus Neugier ausgeschaltet hatte, lief Windows sehr viel geschmeidiger. Ich habe mich damals nur nicht getraut, ohne AntiVir zu arbeiten. Dafür war ich dann doch zu feige.

Heute sieht die Situation natürlich sehr viel rosiger aus. Arbeitsspeicher steht in riesigen Mengen zur Verfügung (wer heute mit weniger als 4 GB unterwegs ist, fühlt sich schon wie ein Höhlenmensch). Und auch immer mehr HDDs sind durch SSDs ersetzt worden, was das Arbeiten unter Windows extrem beschleunigt. Als ich meinen alten Windows 7-Laptop mit einer SSD aufgerüstet habe, war es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Nichtsdestotrotz verbraucht Antivirensoftware einen Gutteil der Systemressourcen und verlangsamt so das System (teilweise signifikant).

Wenn man sich anschaut, was ein Antivirenprogramm tut, ist dies auch logisch. Es beobachtet alle Prozesse, die auf dem PC ablaufen. Das verbraucht einiges an Prozessorleistung, da diese Beobachtung ja berechnet werden muss. Wenn man eine Datei öffnet, gleicht das Antivirenprogramm diese Datei mit allen bekannten Virensignaturen ab. All dies verbraucht zusätzlich Systemressourcen. Als ich das Antivirenprogramm damals deinstallierte, lief mein PC gleich um einiges schneller.

Antivirenprogramme bringen nichts

Es gibt ja jene Horrorgeschichten, wo Computer, auf denen kein Virenschutz installiert war, innerhalb weniger Wochen komplett verseucht waren. Da muss es nur ein böser Virus auf den Rechner schaffen, der dann tonnenweise weitere Malware nachlädt, und schon gleicht das System einer stinkenden Softwarekloake. Und natürlich ist die Moral von der Geschichte immer, dass man auf jeden Fall ein Antivirenprogramm installieren sollte, denn mit dem wäre das nicht passiert!!!

Ich weiß nicht, was andere Leute auf ihren Rechnern so treiben, aber für mich waren Antivirenprogramme immer ziemlich nutzlos. Ich habe mir in all den Jahren, in denen ich im Internet unterwegs war, keinen einzigen Virus eingefangen. Zumindest hat kein Antivirenprogramm jemals einen solchen identifiziert. Ich treibe mich nicht auf widerlichen Schmuddelseiten herum, bin überhaupt ziemlich vorsichtig. Ich benutze Adblocker und Scriptblocker in meinem Browser (gerade über Onlinewerbung wird sehr gerne Malware verbreitet) und ich klicke NIEMALS Links oder Anhänge in Emails an, deren Empfänger ich nicht absolut vertraue. Und damit bin ich immer sehr gut gefahren.Diese Erfahrung kann in Bezug auf Antivirenprogramme nur zwei Dinge bedeuten:

  • Ich habe mir durch mein umsichtiges Verhalten niemals ein Computervirus eingefangen. Dann brauche ich keine Antivirensoftware
  • Ich habe mir doch einen oder mehrere Viren eingefangen, die ohne mein Wissen auf dem Computer laufen, dann hat die Antivirensoftware ihre Aufgabe nicht erfüllt und ist nutzlos.

Auch wenn die Antivirensoftware bei mir niemals echte Viren gefunden hat, gab es doch mehrere Fälle, wo sie mir False Positive Alarme ausgelöst hat. Das heißt, sie hat Dateien, die sicher waren, als Viren erkannt. Und das ist immer ein großes Ärgernis, denn das Antivirenprogramm blockiert dann diese Datei und hindert das Programm, das diese Datei braucht, daran, ordentlich zu arbeiten. Ich hatte sehr viel mehr False Positives als echte Alarme, und wenn man sich das Verhältnis mal anschaut, dann haben die Antivirenprogramme ziemlich versagt. Und ich bin ehrlich gesagt nicht bereit, diese Einschränkungen für ein bisschen angebliche Sicherheit hinzunehmen.

Ein anderer Aspekt ist die Arbeitsweise von Antivirenprogrammen. Sie suchen den Computer anhand bekannter Virensignaturen ab. Diese müssen natürlich entsprechend regelmäßig upgedatet werden. Dabei können aber nur die Viren berücksichtigt werden, die schon bekannt sind. Das ist natürlich alles andere als ideal, denn so sind die Schurken einem immer einen Schritt voraus. Deshalb benutzt Antivirensoftware heutzutage auch heuristische Erkennung, wo Prozesse nach Verhaltensmustern gescannt werden, die als typisch für Viren angesehen werden. Das verbraucht natürlich Ressourcen und ist alles andere als zuverlässig. Denn entweder bekommt man viele False Positives oder die Viren sind so geschickt programmiert, dass sie die Virenscanner austricksen.

Wie auch immer man es sieht, sind Antivirenprogramme für mich persönlich nutzlos und reine Ressourcenverschwendung.

Andere Betriebssysteme

Antivirensoftware gibt es in der Regel nur für Windowssysteme. Das ergibt auch Sinn, denn Windows ist das mit Abstand meistgenutzte Betriebssystem und daher auch den meisten Angriffen ausgesetzt. Außerdem hat die Benutzerrechteverwaltung von Windows (aus Kompatibilitätsgründen) einige massive Schwächen, die es anfälliger für solche Angriffe macht. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren sehr viel in dieser Hinsicht getan und Windows ist heute im Allgemeinen sehr sicher, wenn man regelmäßig die aktuellen Sicherheitsupdates installiert.

Ich benutze auf meinem Laptop ausschließlich Ubuntu, eine Linuxdistribution. Dieses System kommt vollkommen ohne Virenscanner aus, was das System (was eh schon sehr performant ist) sehr schnell macht. Dasselbe gilt auch für MacOS.

Schlusswort

Ich will hier jetzt niemandem empfehlen, seine Antivirensoftware sofort zu deinstallieren und nur noch ohne Schutz unterwegs zu sein. Was ich hier geschrieben habe, gibt nur meine eigene persönliche Erfahrung wieder. Jeder muss selbst wissen, ob ein Antivirenprogramm für ihn sinnvoll ist oder nicht. Es war meine persönliche Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, den ich bisher nie bereut habe. Jedenfalls bin ich persönlich von Virenscannern alles andere als überzeugt und werde sie bis auf weiteres nicht auf meinen eigenen Computern benutzen, egal auf welchem Betriebssystem.

Kommentare

ISpPVAEYeOFgWtv 12.10.2019, 22:42:
agShWnmiO
CYiXLHRIdo 12.10.2019, 22:42:
NXhIJbxdqRvzco

Kommentar hinzufügen

Vorheriger Beitrag